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"Frauen an die Spitze"

Frauen an die Spitze

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Japan Markt - 2014/March

Published on ARQIS: (Mon) 31 Mar 2014

Japan muss mehr Frauen in den Arbeitsmarkt bringen. Die Regierung hat sich hohe Ziele gesteckt. Herausragende Änderungen hatten sich in den letzten Jahren nicht gezeigt. Dennoch ist Bewegung zu verzeichnen. Trotz großen Problembewusstseins und hoher Skepsis sind Hoffnung und Optimismus weit verbreitet.

Dem aktuellsten „Global Gender Gap Report“ des World Economic Forum zufolge sieht es schlecht aus für Japans Frauen. Das Land liegt auf Platz 105 von 136 beim Thema Chancengleichheit, Tendenz fallend – 2011 war es noch Platz 100. Frauen machen in Japan etwa 52 Prozent der Bevölkerung aus, die Erwerbsquote liegt aber nur bei etwa 42 Prozent, die der Männer bei rund 72 Prozent. Der Anteil der Angestellten in irregulären Beschäftigungsverhältnissen unter den arbeitenden Frauen liegt bei rund 58 Prozent und ist damit drastisch höher als der der männlichen Arbeitnehmer. Entsprechend verdienen Frauen allgemein rund 30 Prozent weniger als Männer. Auf dem selben Wert liegt der durchschnittliche Gehaltsunterschied bei gleicher Arbeit. Dabei herrschen bis zum Eintritt ins Berufsleben oder eine höhere Bildungseinrichtung fast vollständig egalitäre Verhältnisse.
Japan hatte bereits in den achtziger Jahren begonnen, sich des Problems der Ungleichberechtigung und Unterbeschäftigung seiner gut ausgebildeten Frauen anzunehmen. 1986 wurde mit dem „Equal Employment Opportunity Act“ die gesetzliche Grundlage dafür gelegt, die zuletzt 2007 eine fundamentale Anpassung erfuhr. Doch in den vergangenen 30 Jahren hat sich, wie die Zahlen zeigen, verhältnismäßig wenig getan. Vor dem Hintergrund des in Japan rapide voranschreitenden demografischen Wandels und der immer lauter an die Tore des Landes schlagenden Globalisierung, ist das Problembewusstsein zuletzt aber deutlich gewachsen. Kurz nach Amtsantritt ernannte Premierminister Shinzo Abe Japans Frauen zu dessen „wichtigstem schlummernden Potenzial“. Entsprechend hat die Regierung hehre Ziele ausgegeben: Bis 2020 soll in jedem Board eines japanischen Unternehmens mindestens eine Frau sitzen. Der Anteil der weiblichen Führungskräfte soll auf 30 Prozent anwachsen. Derzeit liegt er, je nach Definition, bei 7 bis 10 Prozent. Die Vorgaben der Regierung hätten bereits dazu geführt, dass „japanische Unternehmen fast panisch nach Frauen für Führungspositionen suchen“, zitierte das Handelsblatt im Januar Izumi Kobayashi, Aufsichtsratsmitglied bei All Nippon Airways und Vorsitzende des 2013 gegründeten Frauennetzwerks WCD. So gab beispielsweise Nissan bekannt, bis 2017 den Anteil der Frauen am Management auf 10 Prozent zu erhöhen, Hitachi wolle bis 2020 auf immerhin 8 Prozent kommen. Die Convenience Store-Kette Lawson wolle 30 Prozent seiner Stellen als Senior Vice President mit Frauen besetzen. Derzeit befindet sich unter den landesweit 28 Positionen nur eine Frau.
Der Internationale Währungsfond (IWF) erklärt die niedrige Quote als Resultat unter anderem der Einstellungspraxis, Beförderungspolitik und des Mangels öffentlicher und privater Modelle, die eine Balance zwischen Arbeit und Familienleben förderten.

 

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